Cushing Pferd

Cushing beim Pferd, in der Fachsprache Equine Cushing Syndrom (ECS) oder PPID (Pituitary Pars intermedia Dysfunction) genannt, ist eine Erkrankung, die vor allem ältere Pferde betrifft. Aber keine Sorge, mit dem richtigen Wissen und der richtigen Herangehensweise kannst du dein Pferd bestmöglich unterstützen. Lass uns gemeinsam die wichtigsten Punkte durchgehen. 

Woran erkennt man Cushing beim Pferd?

Die Symptome beim Cushing-Syndrom Pferd sind auf ein Ungleichgewicht in der Hormonausschüttung der Hirnanhangdrüse zurückzuführen. Es ist wichtig, diese Anzeichen zu verstehen, um dem Pferd die nötige Unterstützung zukommen zu lassen. 

Typische Symptome von Cushing bei Pferden

Verändertes Fell

Eines der auffälligsten Symptome vom Cushing-Syndrom beim Pferd ist die Veränderung des Fellmusters. Die Pferde entwickeln ein langes, lockiges Fell, das auch nach dem Fellwechsel nicht ausfällt. Dieses Phänomen tritt auf, weil die gestörte Hormonausschüttung den normalen Fellwechsel beeinträchtigt. Das Fell kann auch stumpf wirken und eine ungewöhnliche Textur aufweisen.

Muskelschwäche und -abbau

Ein weiteres häufiges Symptom ist der Verlust von Muskelmasse, besonders auffällig entlang des Rückens und der Hinterhand. Dies führt zu einer charakteristischen “hängenden” Rückenlinie. Die Muskelschwäche kann die Rittigkeit beeinträchtigen und das Pferd schneller ermüden lassen. In seltenen Fällen und meist im Zusammenhang mit Stoffwechselstörungen kann es bei betroffenen Pferden auch zu einem Krampfanfall kommen.

Anfälligkeit für Hufrehe

Cushing-Pferde haben ein erhöhtes Risiko für Hufrehe, eine schmerzhafte Entzündung der Hufe. Dies ist zum Teil auf eine Insulinresistenz zurückzuführen, die mit der Pferderankheit Cushing einhergehen kann. Regelmäßige Hufpflege und die Überwachung auf Anzeichen von Hufrehe sind daher unerlässlich. 

Verhaltensänderungen

Zu den Verhalten bei Cushing-Syndrom beim Pferd zählen Auffälligkeiten wie vermehrter Durst, häufigeres Urinieren, Lethargie oder erhöhte Reizbarkeit. Diese Symptome sind auf das hormonelle Ungleichgewicht zurückzuführen. Manche Pferde werden lethargisch oder zeigen eine verminderte Leistungsbereitschaft. 

Erhöhte Infektionsanfälligkeit

Das Immunsystem kann geschwächt durch die Krankheit sein, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Hautinfektionen, Zahnprobleme und andere Krankheiten führen kann. Eine sorgfältige Beobachtung der Blutwerte deines Pferdes kann helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen. 

Schwierigkeiten beim Abnehmen des Wintersfells

Schwitzen beim Cushing-Syndrom tritt häufig auf, weil betroffene Pferde ihr Winterfell nur schwer verlieren und dadurch besonders in den warmen Monaten zu Überhitzung neigen. Regelmäßiges Scheren kann in solchen Fällen Abhilfe schaffen.

Die Bedeutung der Früherkennung von Cushing

Eine frühzeitige Erkennung dieser Symptome ist entscheidend, um den Fortschritt der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität deines Pferdes zu verbessern. Wenn du eines oder mehrere dieser Anzeichen bei deinem Pferd feststellst, ist es wichtig, einen Tierarzt hinzuzuziehen. Eine genaue Diagnose, oft durch einen ACTH-Test, ermöglicht eine gezielte Behandlung beim Cushing-Pferd und eine entsprechende Betreuung. Erinnere dich, dass eine frühzeitige Intervention im Anfangsstadium den Unterschied in der Behandlung dieser Krankheit ausmachen kann.

Cushing-Syndrom oder Morbus Cushing?

Cushing-Syndrom und Morbus Cushing sind unterschiedliche Formen derselben Erkrankung, die sich in ihrer Ursache unterscheiden.

Das Cushing-Syndrom beschreibt allgemein die Symptome, die durch einen chronisch erhöhten Cortisolspiegel entstehen – unabhängig von der Ursache.

Morbus Cushing hingegen ist eine spezielle Form des Cushing-Syndroms, bei der die Überproduktion von Cortisol durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) verursacht wird.

Wie kannst du ein Pferd mit Cushing unterstützen?

In diesem Fall gibt es verschiedene Ansätze zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens deines Pferdes. Ein ganzheitlicher Ansatz, der medizinische Therapie, angemessene Fütterung, Bewegung und allgemeine Pflege umfasst, kann deinem Pferd helfen, ein möglichst beschwerdefreies Leben zu führen. Die Kosten für die Behandlung variieren je nach Therapieansatz.

Medikamentöse Behandlung

Pergolid ist das am häufigsten verschriebene Medikament gegen Cushing-Syndrom beim Pferd. Pergolid reguliert die Funktion der Hirnanhangdrüse und hilft so, die Hormonüberproduktion zu kontrollieren. Aus diesem Grund enthalten die meisten Tabletten bei Cushing-Syndrom beim Pferd diesen Wirkstoff. Die Dosierung muss auf der Grundlage regelmäßiger Blutuntersuchungen und der Beobachtung durch den Tierarzt individuell angepasst werden. Eine kontinuierliche Überwachung ist erforderlich, um Nebenwirkungen zu minimieren.  

Fütterungsmanagement

Eine optimale Fütterung bei Cushing-Syndrom beim Pferd ist sehr wichtig. Vermeide zucker- und stärkehaltige Futtermittel, da Cushing-Pferde häufig eine Insulinresistenz entwickeln. Stattdessen sollte eine ballaststoffreiche Ernährung mit Heu, Gras und speziell formulierten, zuckerarmen Pellets bevorzugt werden. Auch gezielte FutterErgänzungen können dabei helfen, Nährstoffdefizite auszugleichen und die Versorgung deines Pferdes zu optimieren.

Bewegung

Bewegung bei Cushing beim Pferd ist wichtig, um Muskelschwäche vorzubeugen und das Wohlbefinden zu fördern. Der Schlüssel liegt darin, die Intensität der Bewegung an den Gesundheitszustand des Pferdes anzupassen. Leichtes Reiten, Bodenarbeit und Spaziergänge können helfen, die Muskulatur zu erhalten und Stress abzubauen. 

Pflegemaßnahmen

Aufgrund des erhöhten Risikos für Hufrehe ist eine regelmäßige Kontrolle und Pflege der Hufe unerlässlich. Arbeite eng mit einem erfahrenen Hufschmied zusammen, um die Hufe deines Pferdes in optimalem Zustand zu halten.
Cushing-Pferde haben oft Probleme mit übermäßigem Haarwuchs. Regelmäßiges Scheren hilft dabei, die Überhitzung zu vermeiden und das Wohlbefinden zu gewährleisten. Zusätzlich wirkt häufiges Bürsten vorbeugend gegen Hautprobleme und unterstützt die Hautpflege.

Verhaltensänderungen

Verhaltensänderungen bei Pferden mit Cushing-Syndrom – wie etwa Lethargie, Depression oder Aggressivität – lassen sich häufig durch eine gezielte Fütterungsanpassung, regelmäßige Bewegung und ein möglichst stressfreies Umfeld positiv beeinflussen.

Natürliche Behandlungsmethoden

Immer mehr Pferdebesitzer entscheiden sich dafür, Cushing beim Pferd auch mit alternativen Heilmethoden wie Phytotherapie, TCM oder Homöopathie zu behandeln. Diese Methoden können zwar unterstützend wirken, sollten aber nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur medizinischen Behandlung gesehen werden.

Die Behandlung eines Pferdes mit Cushing-Syndrom erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der medizinische Behandlung, Fütterung, angemessene Bewegung und liebevolle Pflege umfasst. Eine enge Zusammenarbeit mit deinem Tierarzt und evtl. mit einem Tierheilpraktiker ist entscheidend, um die beste Strategie für dein Pferd zu entwickeln. Durch eine proaktive und sachkundige Betreuung kannst du die Lebensqualität deines Pferdes verbessern und ihm ein glückliches, komfortables Leben ermöglichen. 

Lebenserwartung und Lebensqualität bei Pferden mit Cushing

Mit der richtigen Behandlung und Pflege können Cushing-Pferde ein langes Leben führen. Die Lebenserwartung beim Cushing-Syndrom Pferd hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Krankheitsstadium bei der Diagnose und der individuellen Reaktion auf die Behandlung.  
Es ist wichtig, den Gesundheitszustand des Pferdes regelmäßig zu überwachen und die Behandlung gegebenenfalls anzupassen. In einigen Fällen, insbesondere im Endstadium des Cushing-Syndroms beim Pferd, wenn die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist, kann es notwendig sein, über eine Einschläferung nachzudenken. Diese Entscheidung sollte jedoch immer in enger Absprache mit dem Tierarzt getroffen werden. 

Häufig gestellte Fragen zum Cushing-Syndrom bei Pferden

In welchen Monaten sollte der ACTH-Test durchgeführt werden?

Die besten Monate für die Cushing-Untersuchung sind August bis einschließlich Oktober. Das hat einen wichtigen Grund: Der ACTH-Wert und die damit verbundenen Normwerte schwanken je nach aktueller Jahreszeit stark. Von November bis Juli sollte der ACTH-Wert eines gesunden Pferdes unter 29 pg/ml liegen, während er von August bis Oktober unter 47 pg/ml liegen sollte. Der Blutspiegel des ACTH-Hormons bei Pferden mit Cushing ist dann relativ gesehen bedeutend höher als bei gesunden Pferden. Diese saisonalen Schwankungen zu kennen ist entscheidend für eine zuverlässige Diagnose. Falls ihr Tierarzt den Test zu anderen Zeiten durchführt, sollten sie nach den angepassten Referenzwerten fragen.

Wie häufig sind Pferde wirklich von Cushing betroffen?

Die Zahlen sind erschreckend hoch: Untersuchungen in Großbritannien und Australien haben ergeben, dass 20% bis 30% der Pferde über 15 Jahre an Cushing erkrankt sind. Das bedeutet, dass etwa jedes fünfte Pferd über 15 Jahren betroffen ist. Noch alarmierender: Studien besagen, dass 64 Prozent aller Pferde zwischen 16 und 20 Jahren unter Cushing leiden, bis zu einem Alter von 30 Jahren steigt der Anteil auf erschreckende 95 Prozent. Bei einer Pavo-Untersuchung auf Pferdegnadenhöfen waren sogar 46% der Pferde positiv auf Cushing getestet. Nur ein kleiner Teil der Besitzer wusste oder erkannte, dass ihre Pferde an dieser Krankheit litten, was die Wichtigkeit der Früherkennung unterstreicht.

Können auch junge Pferde an Cushing erkranken?

Ja, auch wenn Cushing primär eine Alterskrankheit ist, können durchaus jüngere Pferde betroffen sein. Etwa ab einem Alter von 7 Jahren besteht die Möglichkeit, dass sich die Krankheit im Anfangsstadium manifestiert und langsam fortschreitet. Bei jüngeren Pferden verläuft die Erkrankung oft schleichender und die Symptome sind subtiler. Deshalb ist es wichtig, auch bei jüngeren Pferden mit unklaren Symptomen wie Leistungsabfall, Fellveränderungen oder wiederkehrenden Infekten an Cushing zu denken. Eine frühzeitige Diagnose kann den Krankheitsverlauf erheblich verlangsamen und die Lebensqualität ihres Pferdes deutlich verbessern.

Was ist der Unterschied zwischen Cushing und EMS?

Die Abgrenzung zu EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist nicht einfach zu treffen, da Hufrehe, Insulinresistenz sowie unnatürliche Fettverteilung auch bei EMS typische Symptome sind. Der wichtigste Unterschied: Bei EMS ist die Hirnanhangdrüse nicht an der Entstehung der Erkrankung beteiligt. Cushing betrifft ältere Pferde und zeigt charakteristische Fellveränderungen, während EMS häufiger bei übergewichtigen jüngeren Pferden auftritt. Die Diagnostik und Unterscheidung der beiden Erkrankungen erfordern verschiedene Bluttests. Manchmal können auch beide Erkrankungen gleichzeitig auftreten, weshalb eine gründliche tierärztliche Untersuchung unerlässlich ist.

Warum soll man Cushing-Pferde nicht immer scheren?

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum! Nicht alle Cushing-Pferde müssen generell geschoren werden, da der Hautstoffwechsel dadurch auch dazu verleitet werden kann, noch träger zu werden. Scheren sollte wirklich nur im Notfall erfolgen. Wenn der Fellwechsel bei ihrem Pferd zu lange dauert, können sie es bei Bedarf scheren, aber dies sorgt nur für eine bessere Klimaregulierung und beugt Hautkrankheiten vor. Besser ist es, das Pferd regelmäßig zu bürsten und das übermäßige Fell mechanisch zu entfernen. Die Entscheidung zum Scheren sollte immer individuell und in Absprache mit ihrem Tierarzt getroffen werden, je nach Schweregrad der Fellprobleme.

Kann man Cushing-Pferde noch reiten?

Passen sie Trainingsintervalle an die Bedürfnisse ihres Pferdes an – überfordern sie es nicht, halten sie es aber in Bewegung so viel es geht. Das ist der Schlüssel: angepasste Bewegung, nicht kompletter Verzicht. Bewegung ist schließlich wichtig für den Stoffwechsel und die Fettverbrennung. Viele Cushing-Pferde können bei richtiger Medikation und gutem Management durchaus noch geritten werden. Sie sollten jedoch auf die Signale ihres Pferdes achten: Müdigkeit und Trägheit haben häufig nichts mit fehlender Leistungsbereitschaft zu tun, sondern sind ein Zeichen dafür, dass sich ihr Cushing-Pferd nicht so wohl fühlt. Dann sollten sie das Trainingsprogramm herunterfahren und ihm mehr Erholungspausen gönnen.

Welche Rolle spielt Stress bei der Entstehung von Cushing?

In Fachkreisen wird diskutiert, ob dauerhafter Stress und/oder Schmerzen die Stoffwechselkrankheit bedingen können. Auch wenn die genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist, spielt Stressreduktion eine wichtige Rolle in der Therapie. Stressreduktion ist ein wichtiges Element in der Therapie des Cushing-Syndroms. Sie sollten Haltungs- und Trainingsbedingungen kritisch hinterfragen: Fühlt sich ihr Pferd in seiner Herde wohl? Kann es entspannt fressen oder wird es von ranghöheren Pferden weggeschickt? Sind die Fresspausen zu lang? Cushing wird auch zu den sogenannten Wohlstandkrankheiten gezählt, da die Erkrankung oft bei übergewichtigen, unterbeschäftigten Pferden festgestellt wird.

Wie schnell wirkt die Pergolid-Behandlung?

Im Normalfall kann innerhalb von sechs bis zwölf Wochen ein sehr deutliches Ansprechen auf die Therapie beobachtet werden. Erste Linderungen können durch die Medikamente, abhängig vom Pferd, schon nach einigen Wochen eintreten. Die Behandlung wird normalerweise mit einer geringeren Dosierung gestartet, um ihr Pferd an das Medikament zu gewöhnen und mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden. Eine Studie aus der Schweiz kam zu dem Ergebnis, dass eine tägliche Pergolid-Gabe bei rund 90 Prozent der erkrankten Pferde zu einer Verbesserung der Symptome führt. Eine regelmäßige Verlaufskontrolle zur Ermittlung der optimalen Dosis ist wichtig, und die lebenslange tägliche Behandlung ist unabdingbar.

Fazit

Cushing ist eine ernste, aber beherrschbare Erkrankung des Pferdes. Mit einer frühzeitigen Diagnose und der richtigen Behandlung kannst du deinem Pferd wirksam helfen und seine Lebensqualität deutlich verbessern. Denk daran, dass du nicht allein bist – dein Tierarzt ist ein wertvoller Partner auf diesem Weg und es gibt eine große Gemeinschaft von Pferdebesitzern, die ähnliche Erfahrungen machen. 

Ein Pferd mit Cushing muss nicht daran sterben, auch wenn die Erkrankung unheilbar ist! Behalte die Anzeichen im Auge, kümmere dich liebevoll um dein Pferd und sei sicher, dass mit Geduld und Sorgfalt ein glückliches Zusammenleben möglich ist. 

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